Berlin 2026 | Zoom Out: Auslandsjournalismus

  • 9. bis 11. Oktober 2026
  • Berlin
  • Youth Media Convention

YOUTH MEDIA CONVENTION 2026 Berlin

Auslandsjournalismus – das klingt nach Interviews in kugelsicheren Westen, nach Reporter*innen vor brennenden Häusern, nach Fotograf*innen in staubigen Jeeps und Live-Schalten mit Wind im Mikrofon. Doch die meiste Zeit spielt sich Auslandsjournalismus nicht in der weiten Welt ab, sondern im Neonlicht des Newsrooms.

Früher war es selbstverständlich, dass große Medienhäuser Studios in Washington, Moskau oder Nairobi unterhielten. Heute fällt die Entscheidung der Redaktionen, ob jemand in ein Flugzeug einsteigt oder doch digitale Quellen und Videocalls ausreichen, immer öfter zugunsten des Schreibtisches. Oft aus finanziellen Gründen: Reise- und Sicherheitskosten, Fixerhonorare (1), Visa und Versicherungen sprengen schnell die knappen Budgets vieler Redaktionen.

Parallel verschärfen sich die politischen Rahmenbedingungen: Akkreditierungen (2) werden entzogen, Einreisen verweigert, private Social-Media-Profile durchleuchtet und Journalist*innen durch Klagen und Hasskampagnen eingeschüchtert.

Darüber hinaus konkurriert jede aufwendig recherchierte Reportage mit 30-sekündigen-Reels. Ist Schnelligkeit mittlerweile wichtiger als Tiefe? Wie verändert sich der Auslandsjournalismus durch die neuen Plattformen? Und überhaupt: Wer erzählt die Welt, mit welchen Ressourcen und aus welcher Perspektive? Warum dominieren westliche Länder oft unsere Nachrichten? Wieso sprechen wir über bestimmte Länder meist erst dann, wenn Katastrophen passieren, und welche Auswirkungen hat das?

Diese Fragen stehen bei der Youth Media Convention im Mittelpunkt. Bei dem dreitägigen Medienevent im Oktober 2026 geht es nicht nur um Krisen und Konflikte. Es geht um Strukturen.

Wir wollen Auslandskorrespondent*innen über die Schulter schauen, durch die Arbeit von Exiljournalist*innen neue Perspektiven kennenlernen und hinterfragen, wie sich Journalist*innen zwischen Ethos und Selbstvermarktung bewegen. Wir thematisieren die Beziehung und Abhängigkeit zwischen Außenpolitik und Medien, zoomen gemeinsam aus unserem lokalen Kosmos raus und diskutieren über Macht, Verantwortung und die Frage, wie globale Geschichten abseits von Krisen entstehen können.

1 Fixerhonorare:
Fixerhonorare sind Gehälter für lokale Journalist*innen, die internationale Reporter*innen im ÄnAusland unterstützen, etwa durch Übersetzungen, Kontaktvermittlung, Organisation und Sicherheitsberatung. Ihre Arbeit ist zentral für Recherche und Sicherheit, wird jedoch häufig nicht ausreichend bezahlt.

2 Akkreditierung:
Akkreditierungen sind offizielle Zulassungen für Journalist*innen, die ihnen Zugang zu Veranstaltungen oder bestimmten Regionen ermöglichen. Sie werden meist von Behörden oder Veranstalter*innen vergeben.

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