Beyond Media

Die Leitidee:

Morgen ist die Zukunft und die Zukunft wird oft als Terra Incongnita dargestellt - etwas Unbekanntes hinter einem Schleier aus Zeit. Für viele gilt daher: Was ich nicht sehe, das gehe mich nichts an! Doch zu allen Zeiten und an allen Orten rund um die Welt gab es Menschen, die es als ihre Lebensaufgabe sahen, das Unbekannte zu erleuchten. Für sie war das Heute bereits der Anfang von Morgen. Mit ihren Visionen gestalteten sie die Zukunft proaktiv mit – mal mit einem Hammer oder Spaten, mal mit Mikroskop oder Teleskop und immer wieder mit einem Stift und Papier. Die Schreibenden hinterfragten die Realität, kritisierten die bestehenden Verhältnisse und verstanden das Wort als Handlung aus dem Hier und Jetzt heraus für eine bessere Zukunft. Sie prägten den Fortschritt, indem sie aktiv fragten, informierten und kommunizierten: Die Medienmachenden von gestern, heute und hoffentlich auch von morgen!

Slackertum vs digitale Partizipation

Das Stichwort hierbei ist „aktiv!“ und die neuen digitalen Medien scheinen uns davon zu überzeugen, dass jede und jeder heute aktiv werden kann. Eine Online-Petition gegen den Abbau der Kohle unterschreiben – mit einem Klick erledigt! Das eigene Profilbild mit einem Regenbogen-Filter hinterlegen? Nichts einfacher als das. Likes für den Protest-Post in Hong-Kong von der eigenen Couch? Klick, klick – done! Doch ist das tatsächlich schon Aktivismus, der zu gesellschaftspolitischen Veränderungen führt, oder begünstigt dieses mediale Verhalten eine Abwertung der Themen? Nicht umsonst existieren Begriffe wie Slacktivism, Clicktivism oder Sofa-Aktivismus. Sie bezeichnen eine Form des „Faulpelzaktivismus“, dem ohne besondere Anstrengung nachgegangen wird.

Doch digitale Medien bieten so viel mehr als gemütliches Slacken nebenbei! Und mit jedem Tag entdecken wir junge Menschen für sich die Möglichkeit, die Fragen unserer Zukunft richtig zu verpacken und breit zu kommunizieren. Immer mehr Plattformen bieten Raum für kreative und inhaltsstarke Partizipationsmöglichkeiten abseits eines simplen Mausklicks und schaffen somit eine Grundlage für die Vernetzung globaler Initiativen. Bestes Beispiel dafür sind die Bewegungen „Fridays for Future“ und „Women’s March“. Doch auch ihre Aktiven wussten: Der analoge Aktivismus kann auf Dauer nicht durch den digitalen Medienaktivismus ersetzt werden. Engagement und tiefergehende Beschäftigung mit dem Gegenstand sind ein Muss für erfolgreiche Partizipationskultur.

Und was geht analog?

Abseits der Twitter-Schlachten und Clubhouse-Dispute, die von Medienmachenden mal privat, mal in ihrer Rolle als Journalist*innen geführt werden, gelten Aktivismus und Journalismus, klare redaktionelle Kante, Subjektivität und Parteilichkeit als No-Go. „Neutralität“ ist hier das Schlagwort. Doch die Grenzen zwischen analoger und digitaler Medienarbeit werden immer fließender und somit stellt sich heutzutage die Frage, ob die geltenden Ansprüche an die Objektivität und Überparteilichkeit auch bei den etablierten Medien der Realität entsprechen oder dringend auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Wieviel Aktivismus kann Journalismus vertragen? Wieviel Meinung darf ein/e Medienmachende*r in die Arbeit einfließen lassen? Können Aktivistenjournalist*innen überhaupt alle Seiten der Medaille aufzeigen, wenn sie sich persönlich einem bestimmten Thema verschrieben haben?

Zwischen professionellem Journalismus und einer klaren Haltung liegt ein Vakuum, dem sich lange niemand annehmen wollte. Mit der fortschreitenden Verlagerung der Diskussionen in die digitalen Sphären wird die Notwendigkeit, das Vakuum mit Regelwerk und Leitlinien auszufüllen, größer. Am besten lassen sich solche Diskussionen gestalten, wenn alle Seiten zu Wort kommen können.

Die YouMeCon 2021 geht „Beyond Media“

Wir von der Jugendpresse wissen, worauf es bei den jungen Medienmachenden ankommt. Es liegt uns am Herzen, ihre Wünsche an die Welt der Medien heranzutragen. Gleichermaßen wünschen wir uns einen intermedialen Dialog zwischen etablierten und neuen, digitalen und analogen, investigativen und berichterstattenden Medien. Die YouMeCon 2021 betrachtet sich als eine Diskussionsplattform für alle, die gern die ausgetretenen Pfade zugunsten neuer Ideen verlassen möchten. Auf der Convention und darüber hinaus auf unseren Diskussionsplattformen wollen wir den Fragen rund um Aktivismus und Medien nachgehen und das facettenreiche Thema gemeinsam neu denken.